Die DGW fördert sämtliche Bestrebungen, Menschen ein selbstbestimmtes Leben im Sinne der UN-Konventiion zu ermöglichen.
Die Dorfgemeinschaften Wienerwald gGmbH (DGW) ist eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der alleinige Gesellschafter ist der Verein Dorfgemeinschaften Wienerwald-Breitenfurt mit dem Sitz in Breitenfurt. Dieser Verein ging zunächst unter dem Namen „Karl Schubert-Bauverein - Dorfgemeinschaft Breitenfurt“ aus der Karl-Schubert-Schule hervor und wurde 1997 mit Eröffnung der 1. Baustufe seinen Bestimmungen übergeben. 2026 wurde der Vereinsname in „Verein Dorfgemeinschaften Wienerwald-Breitenfurt“ geändert.
Die DGW hat ihren Sitz, so wie der alleinige Gesellschafter Verein Dorfgemeinschaften Wienerwald-Breitenfurt in Breitenfurt und umfasst folgende Standorte: Breitenfurt, Wienerwaldsee in Purkersdorf, Irenental. Es sind dies Orte, an denen Menschen mit Unterstützungsbedarf auf Dauer leben können. Die DGW errichtet, erhält und betreibt freie Einrichtungen, die im Sinne der anthroposophisch orientierten Heilpädagogik und Sozialtherapie wirken. Ziel ist es, Menschen, die in ihrer körperlichen und seelischen Entwicklung beeinträchtigt sind, ein sinnvolles und erfülltes Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen.
Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf haben individuelle Wünsche und Vorstellungen in Bezug auf Arbeit und Wohnen. Bei uns soll jede:r die Möglichkeit haben, so zu leben und zu arbeiten, dass er/sie die eigene Persönlichkeit und das eigene Potential bestmöglich entfalten kann. Ebenso differenziert wie das Bedürfnis nach Autonomie ist der Wunsch nach Begleitung, Unterstützung und Pflege. Für viele ist die Gemeinschaft mit anderen eine große Hilfe. Die passende innere und äußere Struktur bei uns ermöglicht eine zuverlässige Orientierung und schafft Raum für Entwicklungen, die manche Menschen zu einem weitgehend eigenständigen Leben befähigen, andere wiederum vor Isolation bewahren.
Wir organisieren Unterstützung, ermöglichen Teilhabe und begleiten Menschen mit ihren individuellen Biografien. Dazu bedienen wir uns der Methoden der Unterstützen Kommunikation, der Unterstützten Entscheidungsfindung, der Persönlichen Zukunftsplanung und der Einrichtung von Unterstützerkreisen.
Die DGW wird von den Mitarbeiter:nnen und den Bewohner:innen gemeinsam selbstverwaltet. Wir organisieren dort folgende Einrichtungen:
Die DGW sind ein Ort, der unabhängig von Religion, Weltanschauung, Geschlecht, sexueller Orientierung, Nationalität und Einkommensverhältnissen zugänglich ist. Die DGW sind kulturell eng mit der Gemeinde vernetzt und öffentlich zugänglich. In einem gemeinsamen Kulturraum finden zahlreiche Veranstaltungen wie Konzerte, Vorträge oder Workshops statt.
„Die DGW fördern sämtliche Bestrebungen, Menschen ein selbstbestimmtes Leben im Sinne der UN-Konvention zu ermöglichen.“
ImArtikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention wird in besonderer Weise die Beachtung des Rechtes auf ein selbstbestimmtes Leben gefordert. Dies ist ebenso in der Anthroposophie ein zentraler Gedanke. Wir fördern deshalb Selbstbestimmung mit Hilfe Unterstützter Kommunikation, Persönlicher Zukunftsplanung nd Unterstützten Entscheidungsprozessen.
Wir sind bestrebt, für die Bewohner:innen die passende Wohnform (Appartement, Wohn- oder Lebensgemeinschaft, paarweise oder einzeln) und Teilhabemöglichkeiten am Arbeitsleben zu finden. Neben den handwerklichen Werkstätten arbeiten die Bewohner:innen auch in Haushalt, Küche, Garten und Hausmeisterei, um ihren Lebensraum mitzugestalten. Diverse Einrichtungen und Aktivitäten (Veranstaltungen, Kaffeehaus, Spielplatz, Schaugarten …) eröffnen ein breites Angebot für unterschiedliche Bedürfnisse und Wünsche.
Zur Selbstbestimmung trägt auch bei, dass die DGW als selbstverwaltete Organisation von der Gemeinschaft lebt und zahlreiche Möglichkeiten zur Partizipation anbietet. So besteht zum Beispiel mit dem Dorfrat die Möglichkeit, die Geschicke und Einrichtungen des Dorfes aktiv mitzugestalten.
„Das Leben in der DGW basiert auf den Werten und dem Menschenverständnis Rudolf Steiners. Wir arbeiten auf der Grundlage der anthropsophien Heilpädagogik und Sozialtheraypie,die wir mit aktuellen Erkenntnissen verbinden.“
Die Anthroposophie ist für uns ein Erkenntnisweg und eine Inspirationsquelle, die wir in den verschiedensten Bereichen umsetzen: biologische Ernährung, anthroposophische/homöopathische Medizin, Jahresfeste, anthroposophische Pflege, Haltung und Therapien, Menschenbild, persönliche Zukunftsplanung, Ganzheitlichkeit, Raumgestaltung, Sich-in-Beziehung-Setzen, Aus- und Fortbildungen.
In der anthroposophischen Sozialtherapie sind Gemeinschaft und die direkte Begegnung von Ich und Du sehr wichtig. Die Sozialtherapie geht von dem intakten Essentiellen des Menschen, das weder krank noch behindert sein kann, aus. Auch die Beziehung von Begleiter:in und Bewohner:in ist ein subjektives Ich-Du-Verhältnis. Bewohner:innen sind keine Objekte oder Hilfeempfänger:innen, sondern Mitgestalter:innen eines dialogischen Vorgangs. Das eigene Leben ist die Therapie.
Nach der anthroposophischen Anthropologie Rudolf Steiners ist das Essentielle des Menschen in seinem geistigen Wesenskern begründet. Dieser Wesenskern ist der Ursprung seiner Individualität und seiner inhärenten Würde. Nur wenn diese Individualität und Einzigartigkeit geschützt und beachtet werden, ist ein möglichst selbstbestimmtes, freies und teilhabendes Leben möglich. Dieses zu ermöglichen, ist unsere wichtigste Aufgabe, sie deckt sich mit den Idealen der UN-Konvention für Menschen mit Unterstützungsbedarf.
Ein Mensch fühlt sich dort zuhause, wo die Beziehungen von Verständnis, Empathie, Liebe und Anerkennung geprägt sind. Diese Maxime hat für alle Menschen, die in den DGW arbeiten bzw. begleitet werden, Gültigkeit. Das bedeutet für uns, auf kultivierte Beziehungen zu achten und ein Leben in Harmonie und Ausgeglichenheit mit allen uns umgebenden Menschen und der gesamten Natur anzustreben, um so ein Wohlbefinden zu erreichen.
Zusätzlich zu der gesundenden Wirkung von liebevollen Beziehungen baut auch die ästhetische Umgebung Menschen auf, die darin zuhause sind. Wir sind stets bestrebt, die unmittelbare Umwelt, die Innen- und Außenarchitektur sowie die Gestaltung der Außenräume naturnah und organisch zu kultivieren.
Und nicht zuletzt hat auch die gesunde Ernährung einen hohen Stellenwert bei uns: ausgewogen, biologisch-dynamisch, aus regionalem Anbau, saisonal, gesund, leicht, an die Bedürfnisse der Bewohner:innen angepasst, geschmackvoll, vielseitig und ästhetisch zubereitet.
Wir arbeiten mit Wege zu Qualität, einem anthroposophischen Qualitätsentwicklungsverfahren für den Bereich pädagogischer, heilpädagogischer und sozialtherapeutischer Aufgaben.
„Die DGW sind offen für Menschen, die mitgestalten und einander begegnen wollen. Alle Menschen sind willkommen, die Inklusionleben möchten und die Dorfgemeinschaften als Kulturraum verstehen und nutzen.“
Gemeinschaft wird von uns als ein permanenter Prozess des bejahend aufeinander Zugehens gesehen. Die Summe der aktiven Begegnungen auf Augenhöhe zwischen Bewohner:innen, Mitarbeiter:innen, Praktikant:nnen, Zivildienern und Eltern bzw. Erwachsenenvertreter:innen ergibt eine lebendige Gemeinschaft.
Sie wird in gemeinsamen Festen, Begegnungsstunden, mittels kultureller Aktivitäten oder durch die Zusammenarbeit in den verschiedenen Konferenzen gepflegt. Die Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen und mitzugestalten, sind vielfältig: etwa durch Freiwilligenarbeit, Praktika, die
Teilnahme an Konferenzen, am Zukunftsforum, der Generalversammlung des Alleingesellschafters, sonstigen Veranstaltungen, an Arbeitsgruppen, durch die Übernahme von „Zusatzprojekten“, durch Delegation in den Leitungskreis.
Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch in seiner Individualität von der Gesellschaft anerkannt wird und die Chance hat, Teil von ihr zu sein. In den Dorfgemeinschaften ist die Teilhabe an Arbeit, Dorfleben, Kultur und Bildung für jede/n Bewohner:in möglich. Die Öffnung der DGW nach außen sowie die mannigfaltigen Begegnungen ihrer Bewohner:innen außerhalb der Dorfgemeinschaften stellen ein wichtiges Element der Inklusion dar.
Indem die Dorfgemeinschaften Räumlichkeiten wie den Stella-Nova-Saal, den Schaugarten oder das Café für öffentliche Veranstaltungen und Konzerte zur Verfügung stellt, wird sie als Teil der Öffentlichkeit erlebt. Durch öffentliche Feste und Feierlichkeiten leben und pflegen wir Gemeinschaft über die Grenzen der Dorfgemeinschaften hinaus.
„Wir achten auf kultivierte Beziehungen zueinander, gehen wertschätzend miteinander um und respektieren einander in unserer Individualität.“
Fühlt sich der Mensch wahrgenommen, verstanden, anerkannt und bejaht, empathisch und liebevoll begleitet und respektiert, so kann sich seine Seele, der Anthroposophie zufolge, entfalten. Darüber hinaus muss er sich in seinem Wohn- und Arbeitsbereich wohlfühlen: Hierzu gehört vor allem, dass er eine Aufgabe hat, an der er gerne arbeitet, und in seinem Wohnraum ungestört und in friedlichem Zusammensein mit anderen verweilen kann.
Wir achten auf kultivierte Beziehungen zueinander, gehen wertschätzend miteinander um, bemühen uns um die Würde und Individualität eines/einer jedes/jeder Einzelnen in der gegenseitigen Begegnung. Das gilt für die Mitarbeiter:innen genauso wie für die Bewohner:innen, sie sind einander dialogisch zugewandt. Es ist unser Bemühen, eine starke, miteinander verbundene Gemeinschaft zu etablieren. Individualität und Gemeinschaft sind ein fruchtbares Spannungsfeld, das der Gemeinschaft Bewegung und Entwicklung ermöglicht und dem Einzelnen Geborgenheit und Identifikation bringt.
Die Lebensqualität des/der Einzelnen wird in dem Maß gefördert, wie wir mit liebevollem Interesse und Empathie seine/ihre Bedürfnisse wahrnehmen und daraufhin wirken. Die Verschiedenheit der Bewohner:innen kann in Bereiche wie die Lebenskultur, die Tierhaltungen, die medizinische
Versorgung, die Musik und die Paar-Beziehungen hineinreichen. Wir nehmen in verschiedenen Bereichen wie Sexualität, Freizeit oder Sport Rücksicht auf die unterschiedlichen Lebensphasen der Bewohner:innen.
Für die DGW als Arbeitgeber ist es wichtig, den Bedürfnissen der Mitarbeiter:innen gerecht zu werden. Das reicht über formale Möglichkeiten wie Dienstplanung oder Fortbildungen hinaus. Wir gehen auch auf die unterschiedlichen Lebensphasen der Mitarbeiter:innen ein, etwa in Form von berufsphasenorientierter Personalentwicklung und der Entwicklung angepasster Lebens- und Arbeitsformen im Alter. Für ein gutes und faires Klima sorgt der Betriebsrat und neben besonderer Unterstützung für Familien gibt es unter anderem betriebliche Gesundheitsfürsorge.
Auftrag der Leitung ist es, Aufgaben und Ziele zu definieren und so zu kommunizieren, dass die Gemeinschaft diese Ziele erkennen, als vernünftig nachvollziehen und sich damit identifizieren kann.
Dieses zu verwirklichen ist eine Sache der Kommunikation und der Empfangsbereitschaft des Einzelnen. Darüber hinaus ist ein sachlich kompetenter, fairer und situationsgemäßer Umgang wünschenswert. Transparenz in Bezug auf Informationen und regelmäßige wertschätzende Zusammenarbeitsgespräche bilden die Basis für ein gesundes Vertrauensverhältnis.
Die Anliegen aller beteiligten Menschen zu hören und ernst zu nehmen, heißt natürlich auch, wenn Schwachstellen und Probleme angesprochen werden, genau zuzuhören und allfällige Kritik annehmen zu können. Es gibt eine reife Fehlerkultur und ein professionelles Konfliktmanagement. Zum Kreis der beteiligten Menschen zählen auch die Angehörigen bzw. die Erwachsenenvertreter:innen der Bewohner:innen.
Ein selbstständiges und eigenverantwortliches Agieren der Mitarbeiter:innen ist notwendig und gewünscht. Wir öffnen Freiräume für kreatives Schaffen und Arbeiten, wenn es sich im Einklang mit den Leitgedanken der Dorfgemeinschaft findet.
„Wir sind ein selbstverwalteter gemeinnütziger Betrieb.“
Die DGW werden von 2 hauptverantwortlichen Geschäftsführern geleitet, deren Zuständigkeitsbereich einerseits in der Begleitung (Wohnen und Werkstätten), andererseits im Finanz- und Administrationsbereich liegt. Die Geschäftsführer sind bestellt und eingesetzt durch den Karl Schubert-Bauverein und agieren entsprechend den Richtlinien der Generalversammlung bzw. des Vorstandes des Alleingesellschafters. Die finanzielle Gebarung wird jährlich durch einen Wirtschaftsprüfer begutachtet.
Der Leitungskreis setzt sich zusammen aus 4 Dorfräten, die vom Dorfrat gewählt werden, sowie 4 Mitarbeiter:innen, die von der Mitarbeiterschaft gewählt werden. Das Mandat gilt für 2 Jahre. Der Leitungskreis als inklusives Leitungsorgan hat zum Ziel, den Dorfcharakter und das Gemeinschaftsleben gegenüber dem Einrichtungscharakter der Dorfgemeinschaften Wienerwald zu unterstützen, so, dass das Dorfleben das vorherrschende Lebensgefühl für die Dorfbewohner:innen ausmacht.
Er ist das Mitbestimmungsorgan der begleiteten Menschen und Forum für Anregungen, Vorschläge, Wünsche, Beschwerden und Mitbestimmung bei Aufnahmen, Bewohner:innenwechsel und kulturellen Angeboten. Der Leitungskreis hält Verbindung zu den Gremien der DGW. So wird den Bewohner:innen ein höchstmögliches Maß an Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Teilhabe ermöglicht werden.
Um allen Menschen in den Dorfgemeinschaften Perspektiven, Teilhabe und Entwicklung und biografische Schritte zu ermöglichen, braucht es Raum für verschiedene Themen und Anliegen. Diesen bieten die Generalversammlung und Vorstandssitzungen des Alleingesellschafters, die Leitungsgremien, die Elternplattform, der Betriebsrat, die Werkstattkonferenzen, die Wohnbereichskonferenzen, Teambesprechungen sowie der Dorfrat.
Für Transparenz sorgen folgende Informationsquellen: die Bezugsbegleiter:innen, die Teamleiter:innen der Begleitteams, die Angehörigen- bzw. Vertreter:innentreffen, die Fachstelle Pflege, die Ärztinnen/Ärzte und Therapeut:innen, das Dorfblatt, die Angehörigenplattform, der Angehörigentag, die Generalversammlungen des Alleingesellschafters, der Jahresbericht, die Homepage und die Präsenz auf sozialen Medien. Die DGW werden jährlich von einem/r Wirtschaftsprüfer:in geprüft und von der NÖ Landesregierung beaufsichtigt. Für die Zusammenarbeit mit Wege zur Qualität unterzieht sich die DGW freiwillig regelmäßigen Audits.
Mitarbeiter:innen stehen zusätzlich Gespräche mit dem/der Vorgesetzten, Teambesprechungen, der Betriebsrat, Informationsmails, eine ausführliche Eintrittsmappe, ein jährlich aktualisiertes Betriebshandbuch und Einsicht in die Dokumentation zur Verfügung.